Aktuell
Mindener Speicher Gespräche
27. Januar 2010
Ein frostiger Januartag – Eisschollen schwimmen im Abstieghafen und der Schiffsverkehr ist nur noch auf der Weser möglich. Die richtige Zeit um ins Gespräch zu kommen. Die Mindener Speicher Gespräche bieten dazu einen guten Anlass. Im Getreidespeicher an der Werftstraße treffen sich viele Landwirte, um die Getreide- und Rapsmärkte zu analysieren. Neben der Analyse der Lippe Agrar nehmen auch Friedrich-Wilhelm Borgstedt, Milser Mühle, zum aktuellen Weizenmarkt und Karl Christian Vahrenhorst, Porta Mühle, zum Roggenmarkt Stellung. Jürgen Kiefer bringt den interessierten Zuhörern das Hedgen am Warenterminmarkt näher. Neben all den Informationen ist aber auch genügend Zeit und Raum für gute Gespräche.Viele Bilder gibt es unter “zum Artikel”.
Wir haben 2009 wieder viel gelernt...
6. Januar 2010
Wir haben gelernt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, dass am Markt nichts sicher ist, nur der Wandel beständig bleibt.
Die Getreide- und Rapspreise haben sich seit der Ernte 2008 auf ein unbe-friedigendes Niveau hinbewegt, das uns nun seit der Ernte 2009 begleitet. Die Lebensmittelindustrie versucht weiterhin den Weizen- und Roggenpreis nach unten zu drücken.
Wir haben aber auch gelernt, dass Angebot und Nachfrage nicht mehr allein den Marktpreis bestimmen. Die Spekulation auf fallende oder steigende Preise beeinflusst die Agrarpreise auch in Europa verstärkt. Die so motivierten Marktteilnehmer lassen den Getreidepreis immer unberechenbarer erscheinen.
Aber deswegen den Kopf in den Sand stecken? Das ist natürlich nicht die Lösung sondern wir wollen weiter Augenmaß walten lassen, denn wir handeln mit hochwertigen Lebensmitteln!
Die positive Grundstimmung an den Rohstoffbörsen und der kalte Winter haben auch das Rohöl weiter verteuern lassen. Diese Argumente reichen dem Raps, seinen Preisanstieg langsam aber stetig fortzusetzen. Die Warenterminbörse Matif erreichte heute Mittag den Kurs von 30,00 €/dt für den Monat November 2010. Der Weizen scheint für den gleichen Zeitraum mit 14,25 €/dt eher etwas unterbewertet. Aber diese Preise sind nach vielen Monaten der „Entbehrung“ schon mal wieder ein Hingucker.
Futterweizen teurer als Mahlweizen
12. November 2009
So deutlich ist die Differenz nur selten. Die inländischen Kraftfutterwerke haben beim Futterweizen die Preisführerschaft übernommen.. Sicher aus der enttäuschenden Maisernte heraus müssen die etwa 30% Fehlmenge am Markt durch Weizen kompensiert werden. Diese Tatsache und die noch immer anhaltende Verkaufszurückhaltung in der Landwirtschaft sta-bilisieren den Markt. Die Mühlen tun sich sehr schwer dieses erhöhte Preisniveau zu akzeptieren. Sie finden keinen Ertrag zwischen Mehl- und Weizenpreis und hoffen darauf, dass es sich nur um ein preisliches „Zwischenhoch“ handeln wird. Der Hinweis des Getreideeinkäufers eines gro-ßen Mühlenkonzerns während der Erntegespräche in Detmold „Weizen-mehl entwickle sich für die Weizenverwendung immer mehr zu einem Nischen-produkt“ wurde zwar vom Auditorium eher schmunzelnd aufgenommen, Weizenpreis bestimmend ist dieser Produktionsbereich zur Zeit aber tatsächlich nicht.
Aber worauf dürfen wir bei der Preisentwicklung in der nächsten Zeit hoffen? Die Exporte laufen nicht gut. Bis heute sind im Vergleich zum Vor-jahreszeitraum knapp ein Viertel weniger Getreideexporte aus der EU gelaufen und die Schätzungen für das restliche Wirtschaftsjahr sehen nicht besser aus. Der weiter kränkelnde US Dollar ist dem europäischen Exportgeschäft auch keine wirkliche Hilfe. Man könnte mit seiner Ver-kaufsstrategie auch auf den 100-jährgen Lippe-Agrar-Kalender setzen: „Der Winter wird ziemlich kalt, mehr trocken als feucht. Auch ist er recht unbeständig, immer wieder wechselt große Kälte mit Schnee und Regen…“ Aber ist es wirklich eine gute Strategie auf eventuelle Auswinterungen zu setzen?
Rapskurse dümpeln so vor sich hin
12. November 2009
Die Rapskurse können sich „mental“ noch nicht von der großen europäi-schen Ernte mit sehr hohen Ölgehalten befreien. Nun keimte in den letz-ten Wochen die Hoffnung auf, die Bioenergiesteuer könne mit Beginn des neuen Jahres gesenkt werden. Die jetzige Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag schriftlich vereinbart, man wolle ab dem 1.1.2010 Bio-kraftstoffe wieder als Reinkraftstoffe marktfähig machen. Das ist jedoch nur möglich, wenn die Bioenergiesteuer von derzeit 18 auf 10 Cent pro Liter Biodiesel und Rapsöl zurückgenommen wird. Käme es so, würde natürlich auch die Nachfrage nach Raps sprunghaft zunehmen. Mittler-weile ist das Bundeskabinett vom politischen Alltagsgeschehen eingeholt worden und es wird nur noch über das Einfrieren der Bioenergiesteuer auf dem jetzigen Niveau für die nächsten vier Jahre gesprochen – also adé Hoffnung auf steigende Rapsnachfrage in Deutschland. Wer seinen Raps noch halten möchte braucht wohl möglich viel Geduld, um eventuell bessere Preise zu sehen.
Preise ziehen an! – aber wie lange?
15.10.2009
Der Weizenmarkt befindet sich weltweit in einem leichten Aufwärtstrend. Die Hauptargumente dafür sehen wir in den steigenden Ölpreisen, der all-gemeinen positiven Grundstimmung an den Aktienmärkten und dem immer schwächer werdenden US-Dollar. Natürlich gibt es auch die Nachrichten aus der Landwirtschaft, die für einen Ansteigen der Preise sorgen: So sind erst 13% der US-Maisernte eingebracht, während es sonst um diese Zeit bereits 35% sind. Bei Sojabohnen ist der Reifeprozess der Pflanzen zwar weiter fortgeschritten, doch während sonst bereits 57% der Pflanzen geern-tet sind, sind es derzeit nur 23%. Grund ist das kalte, nasse Wetter in wich-tigen Anbaugebieten. Es wird spekuliert, Farmer könnten auf einigen Flä-chen ganz auf Wintergetreide verzichten und die verspätet frei werdenden Flächen erst im Frühjahr bestellen. Für den weltgrößten Weizenexporteur USA würde dies ein reduziertes Angebot bedeuten. Die Märkte sind ange-sichts der Ernteverzögerungen zunehmend nervös. Die gut gefüllten welt-weiten Lager an Weizen und die positiven Aussichten für die gerade be-gonnene Ernte in Australien, können aber den Preisspielraum nach oben begrenzen.
Der Preisanstieg in den USA wirkt auf dem europäischen Markt durch die Schwäche des US Dollars (heute 1US$ = 1,49€) eher dämpfend. Trotzdem ziehen auch bei uns die Weizenpreise an. Ein Grund könnte sein, dass vie-le Händler und Verarbeiter den Markt eher weiter schwach gesehen haben und sich für die nächsten Monate noch nicht ausreichend mit Getreide ein-gedeckt haben.
« Ältere Artikel
