Mit der neuen Getreideernte braucht die EU am Weltmarkt nicht mehr antreten.
23. Mai 2011
Schon sehr frühzeitig kommen die ersten Ernteschätzungen auf den Markt und es sind erschreckende Zahlen, die den Zustand der Bestände auf den Feldern widerspiegelt.
Der Deutsche Bauernverband schätzt die Getreideernte 2011 auf gut 40 Mio. to. (-8% zum laufenden Wirtschaftsjahr). Eine ähnlich schlechte Ernte hatten wir zuletzt 2007 (Wir erinnern uns an die darauf folgende Preisrallye). Auch in Frankreich wird zur Zeit ein Minderertrag in Höhe von 11% geschätzt. Briten, Dänen und Polen leiden ebenfalls stark unter der Trockenheit. Wir sind in dem zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr Netto-Exporteur von ca. 19 Mio. to Getreide (29.3 Mio. to Getreideexport abzüglich 10.3 Mio. to Import). Mit der Ernte in diesem Jahr müssen wir uns aufgrund der zu erwartenden Mindererträge keine großen Gedanken über die Teilnahme am Weltmarkthandel machen. Wir werden in der Summe mal gerade genug für uns haben.
Diese schlechten Ernteprognosen stoßen nun auf weitere schon seit längerem bekannte Tatsachen. Der Rohstoffbedarf an Bioenergie hat sich seit 2007 verdoppelt und wird weiter wachsen. Anders als in 2007 sind die Interventionsläger in der EU geräumt. Auch die Bestände des freien Marktes sind stark geschrumpft.
Da mag die Politik über die Spekulation mit Lebensmittelrohstoffen schimpfen. Nur trägt sie mit dem Ausverkauf der Interventionsbestände zur Ver-schärfung der Marktsituation aktiv bei. Auch die politisch erdachte Biokraftstoffquote zur Zwangsbeimischung in Benzin und Diesel sowie die intensive Förderung von Biogasanlagen tragen aktiv zur Verknappung der Rohstoffe in Zeiten schlechter Ernten bei.
Das der Markt in dieser Situation sehr nervös mit hohen Preisausschlägen auf jede neue Nachricht reagiert, lässt sich damit unschwer erklären. Und wir werden mit dieser Unruhe und Ungewissheit – was wird aus der Ernte und wie entwickeln sich die Preise? – noch etliche Wochen leben müssen…
Auch wenn man die weitere Vermarktung der Ernte 2011 mit den aktuellen Erkenntnissen im Hintergrund eher zurückhaltend betrachten kann, so mag die Situation in der Ernte 2012 wieder eine ganz andere werden. Halten Sie die Börsennotierungen (aktuell MATIF Nov.2012; 225,00 €/to) im Auge. Auf diesem Niveau lohnt es sich ein Engagement behutsam auf zu bauen.
Europäischer Raps ist knapp
Wir werden in der neuen Saison größere Mengen Raps importieren müssen. Es bieten sich die Ukraine, Australien und evtl. auch Kanada an, die Defizite auszugleichen. Die Ernteprognosen für Raps sind noch deutlich schlechter als für Weizen. Ein Rückgang zum Vorjahr von 23% schätzt der deutsche Bauernverband für Deutschland. Der Bioenergiebereich soll aber weiter ausgebaut werden. Auch hier gibt es keine großen Endbestände zu melden. Ein deutlicher Aufschlag zur Sojabohne scheint dem europäischen Raps sicher. Der absolute Preis hängt natürlich stark von den zu erwarten-den Sojaerntemengen in Amerika und der Entwicklung der Energiepreise ab. Starke Preisschwankungen sind uns auch beim „schwarzen Gold“ gewiss. Auch hier scheint ein Blick auf die Ernte 2012 lohnenswert (MATIF August 2012: 426,25 €/to).
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