Frühlingserwachen am Ölsaatenmarkt?

15. April 2010
Nur noch geringe Restbestände an Rapssaat liegen in der Landwirtschaft und beim Handel unverkauft in den Lägern. Das ist nicht ungewöhnlich für diese Zeit, aber bei der doch außergewöhnlich großen Ernte stellt sich die Frage, wo ist der Raps geblieben? Wenn wir uns die Statistiken dazu anschauen, stellen wir fest, dass die europäischen Ölmühlen den heimischen Raps der amerikanischen Sojabohne bevorzugt haben. Die Lebensmittelindustrie bevorzugt allein deshalb das Rapsöl, da es nicht gen-kennzeichnungspflichtig ist. Aber der starke US-Dollar hat auch den Import der Sojabohne stark verteuert. Wir werden wohl nicht mit großen Endbeständen an Raps in die neue Ernte gehen.

Immer häufiger hören wir von Auswinterungsschäden in den osteuropäi-schen Ländern. In den vergangenen Jahren hat sich die Ukraine als zu-verlässiger Rapslieferant für GMO-freie* Ware für die westeuropäischen Ölmühlen gezeigt. Die Exportmengen der vergangenen Jahre werden der Ukraine mit der neuen Ernte wohl nicht zur Verfügung stehen.

Chance:
Sollten die Rapserträge in diesem Jahr nicht so üppig wie bei den letzten zwei Ernten ausfallen, besitzt unser schwarzes Gold einiges Potenzial für Preisrichtung NordOst.

Wo liegen sie denn, die großen Getreidemengen?

Es ist ruhig auf der Anbieterseite. Das Spiel „Wer kommt zu erst aus der Deckung“ hat begonnen. Die Mühlen geben sich eher gelangweilt, sie seien gut versorgt, und für die restlichen Mengen sei immer noch genug Ware für sie vorhanden. Festere Preise passen nicht in die Mühlenkalku-lation. Die Kraftfutterwerke sind da schon etwas nervöser hinter der vor-

gehaltenen Hand. Hier gibt es immer wieder Nachfrage. Wer Menge be-nötigt muss auch ein Aufgeld zahlen um an Weizen oder Mais zu kom-men. Im Herbst konnten sich die Verarbeiter in Südoldenburg mit preis-wertem wenn auch leichtem Weizen aus Dänemark eindecken. Die Ost-europäer belieferten den Weltmarkt mit preiswerter Ware. Aber diese Anbieter haben sich mittlerweile verabschiedet. Der Weltmarkt greift im-mer mehr auf französischen und deutschen Weizen zurück, sodass die Läger in Norddeutschland schon gut geräumt sind. Bleibt der Export-markt weiter so in Fahrt, rechnet sich bald auch der Weizen in unserer Region für den Hamburger Hafen.

Wenn wir im Herbst letzten Jahres die Erntestatistiken studierten, konn-ten wir nur zu dem Ergebnis kommen „Im Frühjahr werden wir mit Ge-treide überschüttet“. Nun ist Frühjahr… und das Getreideangebot lässt sich problemlos vermarkten. Erst in den nächsten Monaten werden wir wohl eine Antwort auf unsere Eingangsfrage bekommen. Ein großes Preissteigerungspotenzial für die alte Ernte sehen wir derzeit nicht.

Nachfolgende Dokumente beschäftigen sich mit aktuellen Getreidestatistiken:
Getreideexport EU 27 Stand: 23.03.10)
Ernteschätzung Raps Stand: März 2010
Ernteschätzung Getreide Stand: März 2010
EU-Getreidebilanz Ernte09 Stand: März 10
Gerstenintervention DE Stand: 21.04.10)

             
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